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Blutegel gehören zur Familie der blutsaugenden Ringelwürmer, von denen es über 300 Arten gibt. Die in der Praxis angewandte Art ist der Medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis). Früher war er in unseren Gewässern weit verbreitet, heute ist er wegen der schlechten Wasserqualität nur noch sehr selten in freier Natur zu finden.
Deshalb, und selbstverständlich aus hygienischen Gründen (medizinische Egel sind tatsächlich sogenannte „Medizinprodukte“), entstammen die in den Praxen eingesetzten Egel speziellen, zertifizierten Zuchtanstalten.
Beim Ansaugen schneidet der Egel mit seinen winzig kleinen Zähnen ein kleines Loch in die Haut des Patienten. Dabei werden auch geringe Mengen Histamin ausgeschieden, die bei dem Patienten, besonders wenn die Nachblutung gering war, in den folgenden Tagen Juckreiz und Schwellung auslösen können.
Besonders das Ansaugen wird von den Patienten als leichter Schmerz registriert. Oft erfolgt dafür aber schon während der Behandlung eine erhebliche Schmerzlinderung an der behandelten Stelle.
Nach dieser ersten Behandlungsphase folgt die eigentliche Saugphase. Dabei scheidet der Egel unter anderem Hirudin aus, das zur Verdünnung des Blutes des Patienten beiträgt und dafür verantwortlich ist, dass die Wunde bis zu 24 Stunden nachbluten kann und möglichst auch sollte (bitte kein Druckverband!). Diese Nachblutung macht den größten Teil des „Blutverlustes“ aus.
Einmal angesetzt fällt der Egel erst wieder ab, wenn er sich vollgesaugt hat. Er wird also keinesfalls seinen Platz verlassen und eventuell unbemerkt auf seinem Wirt „herumspazieren“. Die Saugphase dauert 30 Minuten bis 2 ½ Stunden.

Hier sind vier Egel zu sehen, die sich völlig unterschiedlich verhalten:
Der Egel rechts schläft einfach nur vor sich hin. Der Egel oben hängt in der beliebten Affenschaukelstellung und ist auch nicht gerade wach, nuckelt aber so vor sich hin. Immerhin ist ihm anzusehen, dass er schon einiges getrunken hat.
Die anderen beiden Egel sind sehr hungrig und saugen, was das Zeug hält. Einer von ihnen macht sich dazu ganz lang, um möglichst viel trinken zu können.
Man muss nicht über hellseherische Fähigkeiten verfügen, um vorauszusagen, in welcher Reihenfolge die Egel abfallen werden. Der letzte ist ganz sicher der Schläfer rechts, gefolgt von dem oberen. Der Egel, der sich bereits lang macht, wird ziemlich sicher der erste sein, der fällt.
Oft entsteht eine Situation wie hier: D.h. zwei Egel fallen gesättigt ab und danach fangen erst die anderen an zu trinken. So erklärt sich die oft so lange Dauer der Behandlung.